Der seltsame Weg der deutschen Sprache

Während unsere Geschwistersprachen1 einfach und gerecht reden, sehen wir uns im Deutschen immer mehr gezwungen, entweder mit Wörtern wie „interessierte*r Leser*in“ Menschen mit eingeschränkter Sprachbegabung2 auszugrenzen, oder mit „Leser und Leserinnen“ Intersexuelle Menschen 3.

Dabei hatten wir und unsere Geschwistersprachen die selbe Ausgangssituation, denn vor 2000 Jahren hatten wir dieselbe Sprache. Mit drei Genera und mit Feminina4, aus denen später die deutsche ‚Sängerin‘, die englische ’singeress‘ oder die dänische ’sangerinde‘ wurden.

Offensichtlich erkannten unsere Geschwister, dass sich beim Weiterführen der Feminina Probleme ergeben, wie wir sie jetzt haben. Daher ließen sie ihre singeress, sangerinde usw. per natürlicher Sprachentwicklung fallen.

Nur die deutsche Sprache nicht; und so haben wir heute nur die Wahl zwischen Pest und Cholera; also die Wahl der am wenigsten diskriminierenden Sprachform. Wobei selbst die als besonders gerecht geltende Form mit dem Genderstern sogar die benachteiligt, für die der Genderstern geschaffen wurde. 5

Wir halten also aus Gründen der Gerechtigkeit an einer Sprachform fest, die die Ungerechtigkeit im Fundament trägt.
Und verwerfen statt dessen ausgerechnet die Oberbegriffe, mit denen unsere Geschwistersprachen so einfach und gerecht reden.
„Hallo dear viewers.“ heißt in England, wo wir von“ Zuschauer*innen“ oder von „Zuschauern und Zuschauerinnen“ reden. Das ist leicht zu verstehe, und trotzdem gerecht. Alle sind dabei, egal welches Geschlecht. Das gleiche gilt für unsere anderen Geschwistersprachen, vom Isländischen bis zum Norwegischen. Sie reden einfach und ohne zu diskriminieren, wir nicht.
Die Aufladungsthese versucht, diesen eigenartigen Weg des Deutschen zu erklären.
Entstanden während des Versuchs, die kaum zu ertragende Ähnlichkeit unserer heutigen Doppelnennungen mit denen der NS-Führungsriege zu erklären, erklärt diese These nicht nur unseren eigenartigen Weg, sondern weist gleichzeitig einen versöhnlichen Weg hinaus aus dem Sprachenstreit. Sie erklärt auf der einen Seite die besondere Wichtigkeit der Feminina in einer früheren Epoche, zeigt aber gleichzeitig, wieso sie und vor allem die Doppelnennungen zu einer wirklich gerechten Sprache nicht in der Lage sind. Und zeigt so einen Weg aus der Sackgasse, den bei gutem Willen alle mitgehen können.

Egal welchem Lager Sie sich zurechnen, schauen Sie sich bitte ohne Vorbehalt die These an, die vieles erklärt und den Gendersprachenstreit beenden könnte.

Drei Fragen und Antworten noch zur These, die den Gendersprachenstreit beenden kann.

  1. Englisch, Deutsch, Niederländisch, Schwedisch, Dänisch, Norwegisch und Isländisch gehören zur Familie der germanischen Sprachen. ↩︎
  2. Wenn Sie nicht wissen, was gemeint ist: Versuchen Sie bitte Sätze wie „Wir brauchen einen neuen Bürgermeister“ in diese Sprache zu übersetzen ↩︎
  3. … und damit einen Beschluss des deutschen Verfassungsgerichts zum dritten Geschlecht zu ignorieren: ↩︎
  4. Gemeint sind Wörter wie Leserin, Hörerin. Also die Nomina Agentis (= Wörter für Handelnde) mit dem „in“-Movem ↩︎
  5. Während die Frauen und Männer in einer Gruppe von „Leser*innen“ einen Namen haben (Leserinnen und Leser), haben die restlichen keinen. Sie dürfen sich gerade mal, angesichts des Sterns, mit genannt fühlen. Aber einen Namen haben sie nicht; eine klare Diskriminierung im Vergleich zu den anderen. ↩︎