Was halten Sie vom Gendern? Dafür oder dagegen?
Das Bundesinnenministerium und die bayerische Staatsregierung haben das Gendern verboten! Wirklich?
Schauen wir etwas genauer hin:
| Lehrer | Situation vor dem Wandel | Wandel | Situation nach dem Wandel | ||||
| Oberbegriff | Feminina | Maskulina | Oberbegriff | Feminina | Maskulina | ||
| Deutsch | Lehrer | Lehrerin | identisch mit dem Oberbegriff |
1980-heute | – | Lehrerin | Lehrer |
| Englisch | teacher | teacheress | 19. Jh. | teacher | – | – | |
| Niederländisch | leraar | lerares | 20./21. Jh. | leraar | – | – | |
| Schwedisch | lärare | lärarinna | 19./20. Jh. | lärare | – | – | |
| Dänisch | lærer | lærerinde | 19./20. Jh. | lærer | – | – | |
| Norwegisch | lærer | lærerinne | 19./20. Jh. | lærer | – | – | |
| Isländisch | kennari | kennslukona | seit langem | kennari | kennslukona | – | |
Des Pudels Kern liegt im Verlust der Oberbegriffe.
Sind sie erst verloren, fehlt der Sprache etwas Elementares.
Sie können ein Kind nicht mehr fragen, welchen Klassenlehrer es im nächsten Jahr bekommen könnte. Sie müssen stattdessen nach „dem Klassenlehrer oder der Klassenlehrerin“ fragen.
So erscheint im Abspann des starken Films „Lee“ über die Kriegsfotografin Lee Miller, die Hitlers Bad so ausdrucksstark entweihte, in der deutschen Version nur „eine der besten Kriegsfotografinnen„, statt wie im Original „one of the worlds best war reporters„. Was für eine Degradierung der Frau, die an ihrem ersten Einsatz an der Front selbst vor genau dieser verschlossenen Tür stand: „Zur Lagebesprechung sind leider nur Männer zugelassen“.
Besonders fatal ist, dass sich ausgerechnet im Film über eine Frau, die die Verbrechen der Nazis so genial ans Tageslicht brachte, die spaltende und sexualisierende Sprache der Nazis widerspiegelt, nicht nur im Abspann, sondern auch im Filmtitel: „Die Kriegsfotografin“.
Gendersprache ist also nicht die Sprache mit dem Genderstern und der Sprechpause.
Es ist eine Sprache, die uns zwingt, immer Geschlechter mit zu nennen.
„Gender“ ist ein neues Wort für Geschlechter, und nicht für Sonderzeichen oder Sprechpausen. Wieso sollte Gendersprache dann nicht die Sprache sein, die Geschlechter benennt, sondern etwas anders? In der bayrischen und und der bundesdeutschen Regierung wird weiter gegendert, denn statt der Oberbegriffe werden dort meistens die Doppelnennungen gesprochen. Das jetzt die wenigen Gendergap-Sprecher auf die Doppelnennungs-Linie gebracht werden, hilft unserer Sprache mit ihrem großen Verlust . Das selbe passiert gerade im ÖRR und bei allen politischen Parteien, auch vielen Vertretern der extremen Parteien. Der Mechanismus ist überall der gleiche: wer von Bürgern und Bürgerinnen, von Mitstreitern und Mitstreiterinnen spricht, der untergräbt die Oberbegriffe. Sonst würden diese genannt werden.
Das ist also der Unterschied zwischen unserer Sprache, und genannt werden
Die Sprache mit Stern und Sprechpause sind eine folgerichtige Weiterentwicklung der Sprache, die dabei ist die Oberbegriffe zu verlieren. Sie versucht diese Lücke zu füllen, indem dieser Sprache, die die Oberbegriffe verloren hat.