In den 1980er Jahren kamen Vorwürfe auf, das Patriarchat hätte unsere Sprache in seinem Sinne verändert, um Frauen zu unterdrücken. Nach anfänglicher Unsicherheit, was konkret zu korrigieren sei, wurde das generische Maskulinum als Übeltäter entlarvt und an den Pranger gestellt. Gerichteübernahmen 20 Jahre später diese Interpretation und schrieben dort, wo sie es konnten, die „gendersensible Sprache“ fest.
Viele andere haben aber das Gefühl, dass eine so „von oben“ veränderte Sprache nicht mehr ihre eigene ist. Sie empfanden die vorige Sprache nicht als ungerecht und wehren sich mehr oder weniger gegen die Veräünderungen.
Der Streit polarisiert unsere Gesellschaft; eine Lösung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: die von Behörden und dem ÖRR als Kompromiss eingeführten Doppelnennungen ignorieren eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, nach der die Minderheit der intersexuellen Menschen nicht wegen ihres unklaren Geschlechts weiter diskriminiert werden darf.
Gleichzeitig stellt die Gesellschaft gerade erschrocken fest, dass ausgerechnet Hitler und Goebbels schon vor 100 Jahren so redeten, wie es der ÖRR seit kurzem, angeblich aus Gründen der Gendersensibilität, tut.
Als wäre das nicht paradox genug, sammeln ausgerechnet Hitlers Nachfolger mit ihrem Versprechen, „die alte Sprache zurück zu bringen“, die Stimmen derer ein, die sich um ihre Sprache betrogen fühlen.
Was bringt uns eine angeblich „gendergerechte Sprache“, die Nonbinäre genauso wie Menschen mit eingeschränkter Sprachbegabung benachteiligt, und gleichzeitig die AfD nach oben bringt? Damit ist weder den Sprachveränderern noch den Sprachbewahrern geholfen!
Auf diesen Seiten hier geht es um einen Ausweg aus diesem Dilemma.
Wie Sie hier nachlesen können, ist dieser Weg eigentlich klar. All unsere Geschwistersprachen1 sind ihn in den letzten Jahrhunderten per natürlicher Sprachentwicklung gegangen. Dass dieser Weg nicht so schlecht sein kann, zeigen die Gendergerechtigkeitsstatistiken von UN und EU, in denen die meisten unserer Geschwistersprachen deutlich vor den deutschsprachigen Ländern liegen.
Die Aufladungsthese (hier im Detail beschrieben) erklärt, wieso ausgerechnet die deutsche Sprache diesen Weg nicht ging und statt dessen in der bekannten Sackgasse gelandet ist. Sie hat eine plausible Vermutung, wieso wir mit unserer Sprache schon vor langer Zeit auf einen schwierigen Weg kamen, eine Situation die unsere Geschwistersprache so nicht erlebten. Auf diese Belastung bauten dann leider auf unglückliche Art zwei weitere, typisch deutsche Entwicklungen auf. Diese unglücklich zusammenwirkenden Kräfte führten unsere Sprache in die Sackgasse.
Wie es aussieht, gibt es keinen Kompromiss auf inhaltlicher Ebene. Statt dessen müssen wir herausfinden, an welcher Stelle der Irrweg begann. Vielleicht kann das Verständnis dafür helfen, falsche Weichenstellungen zu revidieren und der Sprache endlich wieder die von Gerichten genommene Freiheit bringen, um sich ähnlich weiterzuentwickeln, wie es unsere Geschwistersprachen taten. Gut sprechbar und auf einfache Art wirklich gerecht.
Hier die wichtigsten Fragen zur These, die den Gendersprachenstreit beenden könnte.
- Englisch, Deutsch, Niederländisch, Schwedisch, Dänisch, Norwegisch und Isländisch sind die wichtigsten in der Familie der germanischen Sprachen. ↩︎